Inhaltsverzeichnis
- Geschichte der Anlage: Ein Monument für die Ewigkeit
- Ramses II. und der Bau der Tempelanlage
- Die spektakuläre Rettung vor den Fluten des Nassersees
- Highlights der Tempelanlage
- Der Große Tempel von Ramses II.
- Der Kleine Tempel: Hommage an Königin Nefertari
- Das Sonnenwunder von Abu Simbel
- Wie Sie die Abu Simbel Tempel am besten besuchen
- Anreise von Assuan oder Hurghada
- Beste Reisezeit und Tagesablauf
- Praktische Tipps für Ihren Besuch
- Warum sich der Ausflug zu den Abu Simbel Tempeln lohnt
- Häufig gestellte Fragen zu den Abu Simbel Tempeln
Zwischen 1964 und 1968 zersägte ein internationales UNESCO-Team die Abu Simbel Tempel in über 1.000 Blöcke und setzte sie 65 Meter höher originalgetreu wieder zusammen – sonst hätten die Fluten des neu entstandenen Nassersees die 3.200 Jahre alte Anlage von Ramses II. für immer verschluckt. Diese Rettungsaktion gilt bis heute als eine der größten technischen Meisterleistungen der Archäologiegeschichte, und genau das macht einen Besuch hier so besonders: Anders als in Kairo oder Luxor, wo sich viele Sehenswürdigkeiten dicht drängen, steht diese Anlage bewusst allein in der Wüste am Ufer des Sees – kein anderer Tempel Ägyptens wurde je komplett umgesetzt, um erhalten zu bleiben.
Schnellüberblick:
- Lage: rund 280 km südlich von Assuan, nahe der sudanesischen Grenze
- Eintritt: ca. 750–820 EGP (~15–20 €) für Erwachsene, ermäßigt für Studierende mit gültigem Ausweis; beide Tempel sind in einem Ticket enthalten (Preise ändern sich häufig, aktuellen Stand vor Ort/online prüfen)
- Öffnungszeiten: täglich ca. 6:00–16:00 Uhr (letzter Einlass), während des Ramadan verkürzt auf ca. 7:00–15:00 Uhr
- Anreise: per Flugzeug (ca. 35–45 Minuten ab Assuan, ca. 60–90 € pro Strecke) oder Bus/Shared Van (ca. 3–4 Stunden je Strecke, ca. 25–30 € pro Person)
- Beste Reisezeit: Oktober bis April wegen der Hitze; rund um das Sonnenwunder (22.2./22.10.) ist es deutlich voller als sonst
- Empfohlene Aufenthaltsdauer vor Ort: 1,5 bis 2 Stunden für beide Tempel
- Besonderheit: Sonnenwunder jährlich am 22. Februar und 22. Oktober
Geschichte der Anlage: Ein Monument für die Ewigkeit
Die Geschichte der Tempelanlage beginnt im 13. Jahrhundert vor Christus, während der Herrschaft von Pharao Ramses II., einem der mächtigsten und selbstbewusstesten Herrscher des alten Ägypten. Er ließ die beiden Bauwerke nicht nur zu Ehren der Götter errichten, sondern auch als deutliches Machtsymbol gegenüber den Nachbarvölkern im Süden, insbesondere gegenüber Nubien.

Ramses II. und der Bau der Tempelanlage
Der Bau dieser gewaltigen Anlage dauerte vermutlich rund zwanzig Jahre. Ramses II. wollte mit den kolossalen Statuen an der Fassade unmissverständlich zeigen, wer im Land am Nil das Sagen hatte. Die vier gigantischen Sitzstatuen, die den Eingang des großen Tempels flankieren, zeigen den Pharao selbst, jede von ihnen misst etwa 20 Meter in der Höhe, die gesamte Fassade ist rund 38 Meter breit und 33 Meter hoch.
Eine der vier Statuen stürzte bereits in der Antike durch ein Erdbeben teilweise ein – die abgebrochenen Fragmente liegen bis heute zu Füßen des Kolosses und sind ein eindrucksvolles Zeugnis der bewegten Geschichte des Bauwerks. Im Inneren widmete Ramses II. die Anlage den Göttern Amun-Re, Re-Harachte und Ptah sowie sich selbst als vergöttlichtem Herrscher.
Die spektakuläre Rettung vor den Fluten des Nassersees
Mit dem Bau des Assuan-Staudamms in den 1960er Jahren drohte der neu entstehende Nassersee, die gesamte Tempelanlage für immer unter Wasser zu setzen. Die UNESCO initiierte daraufhin eine der größten und aufwendigsten Rettungsaktionen der Archäologiegeschichte. Zwischen 1964 und 1968 wurden beide Bauwerke in tausende Blöcke zersägt, Stück für Stück abgetragen und rund 65 Meter höher sowie 200 Meter weiter von der ursprünglichen Position entfernt originalgetreu wieder zusammengesetzt.
Bemerkenswert dabei: Die Ingenieure konnten die berühmte Sonnenausrichtung fast perfekt bewahren – durch die Verschiebung fällt das Sonnenwunder heute allerdings einen Tag später als ursprünglich, nämlich am 22. Februar und 22. Oktober statt am 21. Februar und 21. Oktober. Im Inneren des künstlich angelegten Hügels, in dem die Tempel heute stehen, verbirgt sich zudem eine Betonkuppel als Stützkonstruktion – sie ist aber nicht Teil der regulären Besichtigung und für die meisten Besucher gar nicht zugänglich. Mehr zur Rettungsaktion und zum UNESCO-Welterbestatus der nubischen Denkmäler von Abu Simbel bis Philae finden Interessierte auf der offiziellen UNESCO-Welterbeliste.

Highlights der Tempelanlage
Die Anlage besteht aus zwei separaten Bauwerken, die unterschiedlichen Zwecken dienten und architektonisch beide ihre eigenen Besonderheiten aufweisen.
Der Große Tempel von Ramses II.
Der größere der beiden Tempel ist Ramses II. selbst gewidmet und beeindruckt schon von außen durch seine gewaltigen Ausmaße. Im Inneren erwartet die Besucher eine Säulenhalle mit acht Osiris-Pfeilern, die den Pharao in Gestalt des Gottes Osiris darstellen. Dahinter folgen weitere Kammern und schließlich das Allerheiligste in rund 60 Metern Tiefe im Felsen, in dem die vier Götterstatuen sitzen. Die Wände sind mit detailreichen Reliefs verziert, die Schlachtszenen wie die berühmte Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter zeigen. Wer sich vorab ein wenig mit der Symbolsprache der Wandmalereien vertraut machen möchte, dem empfehlen wir unseren Artikel zum Thema Hieroglyphen lesen, um die Inschriften vor Ort besser einordnen zu können.

Der Kleine Tempel: Hommage an Königin Nefertari
Direkt neben dem großen Tempel befindet sich der kleinere, aber nicht weniger bedeutsame Tempel, den Ramses II. seiner geliebten Hauptgemahlin Nefertari widmete. Bemerkenswert ist, dass hier – anders als sonst üblich – die Statuen der Königin fast genauso groß dargestellt sind wie die des Pharaos selbst, ein außergewöhnliches Zeichen der Wertschätzung in der ägyptischen Geschichte. Die Fassade zeigt sechs Statuen, vier von Ramses II. und zwei von Nefertari, jede rund 10 Meter hoch.
Der Tempel ist der Göttin Hathor geweiht, deren Kopf die sechs Pfeiler im Inneren der Säulenhalle zieren. Die Reliefs zeigen Nefertari beim Opfern vor verschiedenen Gottheiten sowie Szenen, in denen Ramses II. seine Feinde niederschlägt – dennoch strahlt der Innenraum insgesamt eine deutlich intimere, weniger martialische Atmosphäre aus als der große Nachbartempel. Im Allerheiligsten steht eine Statue der Göttin Hathor in Gestalt einer Kuh, die den Pharao beschützt.
Das Sonnenwunder von Abu Simbel
Ein absolutes Highlight, das viele Besucher gezielt in ihre Reiseplanung einbauen, ist das sogenannte Sonnenwunder. An zwei festen Terminen im Jahr, dem 22. Februar und dem 22. Oktober, dringen die Sonnenstrahlen kurz nach Sonnenaufgang exakt bis in das Allerheiligste des großen Tempels vor und beleuchten die Statuen von Ramses II., Amun-Re und Re-Harachte, während die Statue des Unterweltgottes Ptah im Dunkeln verbleibt. An diesen beiden Tagen finden vor Ort oft kleine Feste mit Musik und traditionellem Programm statt – entsprechend voll und deutlich teurer im Ticketpreis ist die Anlage dann auch, wer es ruhiger mag, sollte diese Termine eher meiden.

Wie Sie die Abu Simbel Tempel am besten besuchen
Ein Ausflug zu dieser Tempelanlage erfordert etwas Planung, da sie recht abgelegen liegt. Die meisten Reisenden kombinieren den Besuch mit einem Aufenthalt in Assuan oder mit einer Nilkreuzfahrt.
Anreise von Assuan oder Hurghada
Von Assuan aus ist der Ort per Bus oder Flugzeug erreichbar, beide Varianten haben ihre eigenen Vor- und Nachteile:
- Bus/Shared Van: Die Fahrt dauert rund 3 bis 4 Stunden je Strecke durch die Wüste und kostet als Sammeltransfer meist umgerechnet ca. 25–30 € pro Person; private Fahrzeuge sind entsprechend teurer. Die meisten Fahrzeuge starten in den frühen Morgenstunden gemeinsam vom selben Sammelpunkt aus der Stadt – ein streng vorgeschriebener, polizeibegleiteter Konvoi wie noch vor einigen Jahren ist heute nicht mehr zwingend vorgeschrieben, dennoch fahren die meisten Busse aus organisatorischen und Sicherheitsgründen weiterhin zur gleichen Zeit gemeinsam los.
- Flugzeug: Der Flug dauert nur ca. 35 bis 45 Minuten und kostet je nach Buchungszeitpunkt und Airline (u. a. EgyptAir) etwa 60 bis 90 € pro Strecke. Diese Option eignet sich besonders für Reisende mit begrenzter Zeit oder für alle, die die lange Busfahrt vermeiden möchten. Der Flughafen liegt nur wenige Kilometer von der Tempelanlage entfernt.
- Boot über den Nassersee: Wer bereits eine mehrtägige Nilkreuzfahrt oder eine Kreuzfahrt auf dem Nassersee gebucht hat, kann Abu Simbel bei manchen Routen auch direkt mit dem Schiff anlaufen – eine seltenere, aber landschaftlich reizvolle Alternative zu Bus und Flug.
Wer von der Küste aus anreist, sollte zunächst die Distanz einplanen: Details dazu finden Sie in unserem Artikel Hurghada Assuan Entfernung: Anfahrt, Dauer & Kosten. Viele Urlauber entscheiden sich außerdem für eine mehrtägige Nilkreuzfahrt, bei der Assuan und damit auch ein Abstecher hierher fester Bestandteil des Programms ist.
Beste Reisezeit und Tagesablauf
Aufgrund der Wüstenlage ist es hier oft sehr heiß, besonders in den Sommermonaten, in denen Temperaturen von deutlich über 40 Grad keine Seltenheit sind. Die kühleren Monate zwischen Oktober und April eignen sich deutlich besser für einen Besuch – allerdings ist dann auch Hochsaison, entsprechend voller sind Anlage und Flüge, besonders rund um die Sonnenwunder-Termine im Februar und Oktober, an denen zusätzlich Feiertagsprogramm und Sonderpreise gelten. Wer generell wissen möchte, wann die ideale Zeit für einen Ägyptenurlaub ist, sollte einen Blick in unseren Beitrag Beste Reisezeit für Hurghada & Ägypten-Ausflüge werfen.
Die meisten Tagestouren zu dieser Sehenswürdigkeit starten früh am Morgen, oft schon vor Sonnenaufgang gegen 3 oder 4 Uhr, um der Mittagshitze zu entgehen und rechtzeitig zurück in Assuan zu sein. Wer es ruhiger angehen lassen möchte, kann auch eine Übernachtung vor Ort in Erwägung ziehen – zur Auswahl stehen unter anderem das gehobene Seti Abu Simbel Lake Resort direkt am Nassersee oder einfachere, günstigere Häuser wie das New Abusimble Hotel im Ort. So lässt sich die Anlage am nächsten Morgen auch ganz ohne große Reisegruppen erleben. Am Abend findet zudem ab ca. 18:00 Uhr (Startzeit variiert je nach Sonnenuntergang) eine rund 45- bis 60-minütige Ton-und-Licht-Show vor dem großen Tempel statt, bei der die Geschichte der Anlage je nach Wochentag in wechselnden Sprachen erzählt wird; das Ticket dafür ist separat zum Tageseintritt zu erwerben.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
- Tragen Sie leichte, atmungsaktive Kleidung sowie einen Sonnenhut, Sonnenbrille und ausreichend Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor.
- Nehmen Sie genügend Wasser mit, da es in der unmittelbaren Umgebung nur begrenzte Möglichkeiten gibt, sich zu versorgen, und die Preise vor Ort touristisch geprägt sind.
- Fotografieren ohne Blitz ist im Inneren beider Tempel grundsätzlich erlaubt, um die jahrtausendealten Farben der Reliefs zu schützen; prüfen Sie dennoch vor Ort, ob aktuell eine gesonderte Kameragebühr erhoben wird.
- Feste Schuhe sind empfehlenswert, da der Boden im Inneren der Tempel uneben sein kann und die Wege vom Parkplatz zur Anlage über sandigen Untergrund führen.
- Die Anlage ist nicht durchgängig rollstuhlgerecht: Der sandige Weg zum Eingang und einzelne Stufen im Inneren können für Rollstuhlfahrer eine Hürde darstellen; sprechen Sie dies bei Bedarf vorab mit Ihrem Reiseveranstalter ab.
- Eine gesonderte Gepäckaufbewahrung gibt es vor Ort meist nicht – größere Taschen bleiben in der Regel im Bus oder Fahrzeug.
- Prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Einreisebestimmungen, alle Details dazu finden Sie in unserem Artikel Visum Ägypten Kosten 2026: Preise, e-Visa & Einreise.
- Bei organisierten Ausflügen übernimmt in der Regel ein deutschsprachiger Reiseleiter die Erklärungen vor Ort, was den kulturellen Hintergrund deutlich verständlicher macht und Wartezeiten am Ticketschalter erspart.
Warum sich der Ausflug zu den Abu Simbel Tempeln lohnt
Kaum ein anderes Bauwerk in Ägypten vermittelt so eindrucksvoll die Macht und den Ehrgeiz eines Pharaos wie diese Tempelanlage. Die Kombination aus gigantischer Architektur, jahrtausendealter Geschichte und der modernen Rettungsaktion durch die UNESCO macht diesen Ort zu einem einzigartigen Erlebnis. Anders als in Kairo oder Luxor, wo sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten auf engem Raum konzentrieren, liegt dieser Schauplatz bewusst abgeschieden – und genau das verleiht dem Besuch etwas Besonderes. Wer bereits Tempelanlagen wie den Karnak Tempel in Luxor besucht hat, wird sie als krönenden Abschluss einer Ägyptenreise zu schätzen wissen.

Häufig gestellte Fragen zu den Abu Simbel Tempeln
Wie lange dauert ein Besuch der Tempelanlage? Ein reiner Rundgang durch beide Tempel nimmt in der Regel etwa ein bis zwei Stunden in Anspruch, inklusive Erklärungen durch einen Reiseleiter.
Ist die Anlage rollstuhlgerecht? Nur eingeschränkt – sandiger Untergrund und einzelne Stufen im Tempelinneren erschweren den Zugang, eine Absprache mit dem Reiseveranstalter ist empfehlenswert.
Kann man die Tempel auch selbstständig besuchen? Grundsätzlich ist dies möglich, jedoch ist eine organisierte Tour aufgrund der abgelegenen Lage und der notwendigen Logistik meist die entspanntere und sicherere Wahl.
Gibt es eine Möglichkeit, die Kameragebühr zu vermeiden? Aktuell wird an der Tageskasse in der Regel keine gesonderte Kameragebühr mehr erhoben, dies kann sich aber ändern – am besten vor Ort kurz nachfragen.



